„Hier brennt die Luft!“ – Das Oldtimerfliegertreffen Hahnweide 2009
von Adrien Volkmann
Für wahre Fliegerfreunde aus Europa und der ganzen Welt ist das erste Septemberwochenende eines jeden ungeraden Jahres reserviert für Kirchheim/Teck – denn da findet das Oldtimerfliegertreffen auf der Hahnweide statt. Das Treffen, das 1981 zum ersten mal stattfand, hat sich über die Jahre stets verbessert und ist mittlerweile Europas drittgrößte Oldtimer-Airshow nach Duxford und La Ferte Alais geworden.
Doch mögen die beiden europäischen „Konkurrenten“ auch eine größere Reputation genießen, so kann man nur auf der Hahnweide den Boliden und ihren Piloten so nahe kommen, und das zu Kinopreisen – bei den oben genannten wird der normale Besucher leicht das Dreifache der 15 Euro los, die er für das OTT Hahnweide bezahlt.
Als am Freitag der Himmel graumeliert und wolkenverhangen war, das Flugfeld von Dauerrregen durchnäßt, so glaubte schon mancher, der diesjährige Flugtag fiele sprichwörtlich ins Wasser.
Nach und nach kamen die Teilnehmer dann doch an und am Samstag morgen hatte sich der Regen dann größtenteils verzogen. Nach und nach trafen die Flugzeuge dann alle ein, was zu einem etwas chaotischen Programm führte, aber letztendlich konnten, zur Freude der Zuschauer, alle angekündigten Displays geflogen werden. Im Flugprogramm jagte ein Highlight das nächste. Zu Beginn gab es eine Formation von Vater und Sohn Eichhorn in dem Strahltrainer des Warschauer Pakts Aero L.29 Delfin und dem Proptrainer North American T6 Harvard. Als nächstes kam die Boeing B17 Flying Fortress (Fliegende Festung) „Pink Lady“ welche im Tiefflug über das Flugfeld donnerte und ihre enorme Wendigkeit unter Beweis stellte, sich dann aber wieder nach Stuttgart aufmachte, da sie zu groß für das kleine Flugfeld der Hahnweide ist, so wie die Lockheed Super Constellation, der Traumairliner aus den 60ern, der ebenfalls nur das Flugfeld überflog.
Kurz danach kam die Messerschmitt Bf109 der Messerschmitt Stiftung aus Manching, ebenfalls nur auf „Besuch“, deren markerschütternd röhrender Daimler-Benz DB605 (1475 PS) löste allgemeine Begeisterung aus. Der, Zitat des Kommentators, „kranke“ Sound dieses Originalmotors im spanischen Hispano-Lizenzbau ist bereits legendär und wurde während der gesamten Veranstaltung auch nicht mehr getoppt.
So ging es den ganzen Tag weiter, die weiteren Höhepunkte waren: Der Synchronflug zwischen Extra 300L und seinem Modell, das Display der letzten noch fliegenden Morane-Saulnier D.3800, die Warbird-Displays der Supermarine Spitfire, ihrem Vorgänger Hawker Hurricane, der North American P51 Mustang, der Curtiss P40 Warhawk, welche im WKII allesamt erfolgreich eingesetzt wurden, das Bodenangriffsflugzeug Douglas Skyraider, ihr maritimer Kollege und Torpedobomber Grumman Avenger und die Hawker Sea Fury. Gegen Ende zeigte eine North American B25 Mitchell noch, welch enorme Wendigkeit in diesem Zweimotbomber steckt. Dazwischen gab es zahllose weniger bekannte und zivile Modelle, wie die ungeschlachte PZL Kruk, die elegante Beechcraft Staggerwing und die legendäre Bücker Jungmeister, der von den 30ern bis in die 60er Jahre hinein führende Kunstflugdoppeldecker.
Neu auf dem Oldtimerflugtag zu begrüßen, und damit eine besondere Attraktion, waren ein exakter Nachbau der Focke-Wulf Fw190, welcher mit einem spielerischen Luftkampf gegen die Spitfire und im Korso mit den anderen Warbirds ein glanzvolles Debüt hinlegte, eine russische Polikarpov I-16, jener skurril anmutende und an amerikanische Rennflugzeuge erinnernde Jäger, welcher im spanischen Bürgerkrieg den Spitznamen „Rata“ (=Ratte) erhielt und der motorlose Nachbau des Raketenjägers Messerschmitt 163 „Komet“, jenes legendären „Kraft-Eis“, während dessen Erprobungsphase Ende des 2. Weltkriegs viele mutige Piloten wegen des hochexplosiven Treibstoffgemisches ihr Leben lassen mußten.
Gedacht war, das Flugzeug mit dem Walther-Triebwerk auf 15.000 Meter zu bringen, welches sich dann im Gleitflug sich auf ihre Opfer, also einfliegende Bomberhorden, stürzt und im Gleitflug zum Fliegerhorst zurückkehrt. Um weitere Verluste der Fliegergemeinde zu ersparen, beschränkte sich die Vorführung auf einen Gleitflug, was schon einrucksvoll genug war, bedenkt man, daß in dieser Sperrholzkonstruktion erstmals die 1000 km/h Grenze überschritten wurde.
Ebenfalls neu auf dem Platz war die Lisunow Li-2, jener russische Lizenzbau der Douglas DC-3.
Von atemberaubender Schönheit war der Segelkunstflug zu passender Musik im DFS Habicht
und ebenso beeindruckend war Mikael Carlson, welcher seinen Nachbau einer Bleriot XI von 1909, mit Rhizinusöl betrieben, im Flug vorführte mit einer Kühnheit, wie sie nur die alten „Magnificient men in their flying machines“ besaßen.
Natürlich hielten auch die Junkers Ju 52 „Tante Ju“, die Antonov An 2, die MH Broussard, die DeHavilland Dragon Rapide sowie der alten Sikorsky Helikopter den beinahe schon obligatorischen Rundflugbetrieb während der Flugvorführungen aufrecht.
Obwohl die Sonne am Samstag immer wieder durch umherziehende Wolkenfetzen getrübt wurde und es streckenweise recht frisch war, war der Tag dennoch ein voller Erfolg, der mit einer rauschenden Fliegerparty bei beleuchteter Flightline gekrönt wurde. Am Sonntag herrschte schließlich durchgehend schönes Wetter und auch ein geordneteres Flugprogramm, welches im Großen dem am Samstag glich, jedoch zeichnete sich bereits das Ende ab und so verabschiedete man sich schließlich mit einem tränenden und einem lachenden Auge von der Hahnweide, und manch einer auch mit steifem Nacken vom in den Himmel starren, fast alle mit dem festen Vorhaben, 2011 wieder dabei zu sein.
Kleines Wehmutströpfchen ist, daß die Messerschmitt Me 262 der Messerschmitt Stiftung, jener legendäre erste Strahljäger der reichsdeutschen Luftwaffe, übers Wochenende in Wartung war und deshalb sein Display leider absagen mußte. Aber Sicherheit geht bekanntlich vor, und so gibt es schon einen weiteren Grund zur Vorfreude auf übernächstes Jahr.
Zum Schluß sei noch ein ganz großes Lob an die Fliegergruppe Wolf Hirth und ihren Veranstaltungsleiter Hans Puskeiler gerichtet, deren zweijährige ehrenamtliche Organisation des Events den Flugtag erst möglich gemacht haben. Es hat alles reibungslos geklappt, von den kostenlosen Parkplätzen über das Flugprogramm bis hin zu der preiswerten Bewirtung.
Es war meiner Ansicht nach das beste OTT aller Zeiten, so viel geballte Warbird-Power gab es hier noch nie, und die Kommentatoren hatten ganz recht, mit ihren humorvollen Sprüchen, von denen die treffendsten unter Anderem „Hier brennt die Luft“ und „Augenweide, Ohrenweide, Hahnweide“ waren.
Allen Fliegerfreunden, die das diesjährige OTT verpasst haben, möchte ich mein Beileid aussprechen, und die unbedingte Empfehlung, es das nächste Mal nicht noch einmal zu versäumen.
Den Piloten, die teils lange Reisen auf sich nahmen, um die Menschen an ihren Schätzen teilhaben zu lassen, gilt mein größter Dank, ihnen wünsche ich „Many happy landings“ bis 2011!
Kategorie: Kultur & Bildung, Regionales Kommentieren »